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Wir trauern um Egon Bahr

Mit Egon Bahr ist ein Großer der Friedenspolitik gegangen. Wir trauern um ein langjähriges Mitglied, das für viele von uns vorbildlich gewirkt hat.

Abschied von Egon Bahr

 

Egon Bahr spricht auf der Veranstaltung zu 60 Jahre Russell-Einstein-Manifest, 9. Juli 2015.

Vortrag von Egon Bahr "Erfahrung mit Wissenschaftlern und die neuen Herausforderungen für die europäische Sicherheit: Chancen für Rüstungskontrolle und Abrüstung", 9. Juli 2015. In Auszügen veröffentlicht in: WeltTrends – Das außenpolitische Journal, August/September 2015 (Nr. 106-107).

 

 

 

 

 

Stellungnahmen


Japan und Atomenergie
- Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel

Angesichts der katastrophalen Entwicklungen in Japan hat die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle, Umweltminister Norbert Röttgen sowie an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages gerichtet, der sich mit der aktuellen Lage in Japan, der deutschen Energiepolitik und der Verantwortung der Wissenschaft befasst.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

die Ereignisse in Japan erschüttern uns zutiefst. Die verheerende Naturkatastrophe der Erdbeben wird durch die technische Katastrophe in den Nuklearanlagen in apokalyptische Dimensionen potenziert. Sie wissen, dass wir als Vereinigung Deutscher Wissenschaftler seit langer Zeit solche Schreckensvisionen als Grundlage unserer tiefen Skepsis, ja Ablehnung, gegenüber der nuklearen Energieerzeugung angeführt haben. Es verbietet sich völlig, über die unfassbare Art der Bestätigung unserer Befürchtungen jegliche Form von Genugtuung zu empfinden. Eher spüren wir selbstkritisch und enttäuscht, dass es uns, und den vielen gleichgesinnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Welt nicht gelungen ist, rechtzeitig mit Argumenten zu überzeugen, bevor die Katastrophe grausame Beweise liefert. Wir wenden uns deshalb nicht mit dem Gestus des erhobenen Zeigefingers von Rechthabern an Sie.

Wir begrüßen die Geste und die Entscheidung des Moratoriums der Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke. Wir erinnern Sie hiermit an die VDW-Studie „Ambitionierte Ziele – untaugliche Mittel: Deutsche Energiepolitik am Scheideweg“ die von Peter Hennicke, Sascha Samadi, Tobias Schleicher u.a. im Februar vorgelegt wurde. Wir stehen bereit, mit Ihnen über die Möglichkeiten einer verantwortbaren Energiepolitik – gerade unter den erschütternden Vorzeichen unserer Tage – auf der Basis unserer wissenschaftlichen Expertise zu beraten.

In Sorge um die Menschen und die Natur in Japan und der Welt

Ulrich Bartosch
Vorsitzender des Vorstandes der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler

Offener Brief: [Pdf-Dokument]

Energiestudie - Hintergrundpapier der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler
Gesamte Studie:
[Pdf-Dokument]


VDW Stellungnahme zu den europäischen Verhandlungen zur RoHS-Direktive 2010

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW) ist auf das Bestreben, eine Veränderung der RoHS-Direktive (Restriction of Hazardous Substances Directive) der EU zugunsten von Cadmiumtellurid enthaltenden Solarpanelen durchzusetzen, aufmerksam geworden und hatte umgehend eine Stellungnahme zu den Verhand-lungen zur RoHS-Direktive verbreitet. Diese Stellungnahme wurde am 20.09.2010 veröffentlicht, da für den 22.09.2010 die Entscheidung in der Europäischen Union angekündigt war. In jener Fassung hieß es: „Die VDW mahnt an, dass die bei den meisten herkömmlichen Energieträgern angewandte Handhabung, die Lasten in Form von Entsorgungskosten und von erzeugter Angst auf die Allgemeinheit zu schieben, sich nicht bei den erneuerbaren Energien wiederholen darf.“ Dies bleibt auch die Kernaussage der aktualisierten Stellungnahme.

Eine verlängerte Bedenkzeit der Europäischen Union gab uns die Gelegenheit zur Einarbeitung von kritischen Anmerkungen, die uns bis heute erreicht haben.

Die nachfolgende Stellungnahme ersetzt den bisherigen Entwurf vom September 2010.

Die VDW formuliert schwerste Bedenken gegen eine Ausnahmeregelung für Solarenergie, einschließlich der Photovoltaik, sowie der regenerativen Energien insgesamt, aus der RoHS-Richtlinie der EU. Wir sind uns dabei bewusst, dass die erwogenen Änderungen nicht nur ökologische Folgen bewirken, sondern zugleich in die Wettbewerbsbedingungen eines großen Marktes für Solartechnik unmittelbar eingreifen. Wir sind uns auch bewusst, dass die Einschätzung der tatsächlichen Gefährdung in der Wissenschaft nicht einhellig beurteilt wird. Unsere heutige Expertise, verbietet uns aber, einer Änderung der RoHS-Richtlinie zuzustimmen.
Die angestrebte Ausnahmeregulierung ist geeignet, die nachhaltige Entwicklung der europäischen Klima- und Energiepolitik zu verlangsamen und zu behindern. Wir bewerten eine Freigabe für die Umwelt- und Nervengifte Blei, Cadmium (damit auch für die Verbindung Cadmiumtellurid – CdTe), und Quecksilber in Detektoren für ionisierende Strahlung in der RoHS als unverantwortlich. Die EU Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS) muss selbstverständlich auch für Photovoltaikmodule (PV) gelten. CdTe in PV Modulen stellt eine Gefährdung der Gesundheit von Menschen und natürlicher Mitwelt dar.

Eine Ausnahmeregelung der RoHS für Photovoltaik setzt negative Signale, die Symbolcharakter besitzen:
Die Sonnenenergie gerät dadurch in Gefahr:
(1.) Sie wird als gesundheitsschädlich einzuschätzen sein
(2.) Sie wird ‚unehrlich’ einen Teil der Kosten verdeckt auf die Allgemeinheit abwälzen (die flächendeckende privatwirtschaftlichen Entsorgung über einen Zeitraum von insgesamt mehr als 50 Jahren erscheint uns nicht gesichert).
(3.) Sie wird mit einer diffusen Angst vor PV-Modulen konfrontiert.

Die VDW muss nachdrücklich dieser Möglichkeit entgegentreten, dass die erneuerbare Energieform Sonnenenergie ein abschätziges Image in der Bevölkerung bekommen könnte und so auch der gesamte Einsatz erneuerbarer Energien diskreditiert wird.

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Der Klimawandel und die Integrität der Wissenschaft

Offener Brief

Angesichts der politischen Angriffe der vergangenen Monate auf die wissenschaftliche Arbeit, insbesondere zum Klimawandel, haben 255 US Wissenschaftler, unter ihnen 11 Nobelpreisträger, den folgenden Offenen Brief in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Wir sind tief beunruhigt wegen der jüngsten Eskalation politischer Angriffe auf die Wissenschaft im Allgemeinen und auf die Klimawissenschaftler im Besonderen. Alle Bürger sollten einige grundsätzliche wissenschaftliche Fakten verstehen. Unsicherheiten sind Bestandteil wissenschaftlicher Aussagen, Wissenschaft kann niemals irgendetwas beweisen. Wenn jemand sagt, dass, bevor die Gesellschaft Taten ergreift, man warten solle, bis die Wissenschaft sich sicher ist, entspricht dies der Aussage, dass die Gesellschaft niemals tätig sein soll. Für eine potenziell so katastrophale Problemstellung wie den Klimawandel bedeutet Nicht-Handeln, dass man ein gefährliches Risiko für unseren Planeten eingeht.

Wissenschaftliche Erkenntnis stammt aus dem Verstehen genereller naturgesetzlicher Zusammenhänge, unterstützt durch Laborversuche, Experimente, Beobachtungen der Umwelt und mathematischen sowie rechnergestützten Modellen. Wie alle Menschen machen auch Wissenschaftler Fehler; der wissenschaftliche Prozess ist jedoch dafür konzipiert, diese zu finden und zu korrigieren. Dieser Prozess ist schon so angelegt, dass er auf Gegensätzen beruht – Wissenschaftler erhalten Ansehen und Anerkennung nicht nur für das Unterstützen der Lehrmeinung, sondern umso mehr, wenn sie zeigen, dass der wissenschaftliche Konsens falsch ist und dass es bessere Erklärungen gibt. Genau das ist es, was schon Galilei, Pasteur, Darwin und Einstein getan haben. Wenn Schlussfolgerungen gründlich und sorgfältig getestet, beleuchtet und untersucht wurden, erhalten sie den Status von „etablierten wissenschaftlichen Theorien“ und werden oft als „Fakten“ bezeichnet. Zum Beispiel gibt es überzeugende wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Erde etwa 4,5 Mrd. Jahre alt ist (die Theorie zur Entstehung der Erde), dass das Universum vor etwa 14 Mrd. Jahren entstand (die Urknalltheorie) und dass heutige Lebewesen aus Lebewesen der Vergangenheit hervorgegangen sind (die Evolutionstheorie).

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Stellungnahme zur Agrar- und Pflanzenforschung des BMBF

BÖLW, DNR, NABU und VDW haben eine gemeinsame Stellungnahme zur Bestandsaufnahme der Agrar- und Pflanzenforschung des BMBF anlässlich des Runden Tisches Pflanzengenetik am 8. Juni 2010 veröffentlicht.

Die Pflanzenforschungsprogramme des BMBF dienen mehr oder minder isolierten, technologiezentrierten Zielen, die einer naturwissenschaftlich-industriellen Sicht entspringen und nicht in einem notwendig inter- und transdisziplinären Diskurs entwickelt wurden, der der Tatsache Rechnung trägt, dass die Forschungsziele in einem gesellschaftlichen Kontext stehen. Die Herausforderungen wie Sicherung der Welternährung, Erhalt der Biodiversität und Klimawandel werden mit diesem Ansatz verfehlt. Das BMBF lässt keine Reflexion zu den Grenzen und zerstörerischen Potenzialen der bisherigen Landnutzungspraktiken wie der grünen Revolution erkennen. Im vorliegenden Papier werden eigene Forschungsansätze für eine Ökologisierung der Landwirtschaft vorgestellt.

[Dokument]

Anmerkungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum 9-Punkte-Katalog der Verbände DNR, NABU, BÖLW und VDW: [Dokument]

Reaktion der Verbände auf die Anmerkungen des BMBF zum 9-Punktepapier : [Dokument]

Die Gunst der Stunde nutzen: Verantwortung wahrnehmen, jetzt atomar abrüsten

Erklärung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Deutschland

Die VDW begrüßt ausdrücklich die strategische Initiative von US Präsident Obama zur Wiederbelebung globaler Rüstungskontrollen und Abrüstung mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt und erklärt ihre Bereitschaft, daran mitzuwirken. Die deutsche Wissenschaft ist aufgefordert, sich an den verbesserten Verifikationssystemen für spaltbares Material und einer effizienten Verifikation künftiger Rüstungskontrollabkommen zu beteiligen. Wir erwarten von der Bundesregierung, der Wissenschaft die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um dem Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen näherzukommen. Bundeskanzlerin A. Merkel und Außenminister F.-W. Steinmeier sollten rasch einen gemeinsamen Aktionsplan vorstellen, der detailliert und zeitnah ausführt, wie die Bundesrepublik Deutschland und ihre politischen und wissenschaftlichen Institutionen an der Initiative einer atomwaffenfreien Welt mitwirken können. Als ersten Schritt in diese Richtung sollten die Bundeskanzlerin und der US-Präsident den vollständigen sofortigen Abzug aller taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland verabreden.

Seit ihrer Gründung vor fünfzig Jahren setzt sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) kontinuierlich für nukleare Abrüstung und damit eine friedlichere, atomwaffenfreie Welt ein. Achtzehn führende deutsche Kernphysiker darunter Otto Hahn, Werner Heisenberg, Max von Laue und Carl Friedrich von Weizsäcker haben am 12. April 1957 in der „Göttinger Erklärung" den Verzicht der Bundesrepublik Deutschland auf jeglichen Atomwaffenbesitz gefordert. Im Rahmen der "Pugwash Conferences on Science and World Affairs", deren deutsche Sektion die VDW ist, haben zahllose Wissenschaftler und Wissenschafterinnen über Jahrzehnte friedenspolitische, völkerrechtliche und technische Grundlagen für eine atomwaffenfreie Welt erarbeitet. Sie waren durch Kooperationen, Workshops und Gespräche über alle Blockgrenzen hinweg an der Beendigung des Kalten Krieges ebenso beteiligt wie an der Weiterentwicklung der Rüstungskontrolle und der konventionellen wie nuklearen Abrüstung. Präsident Obama hat in seiner Prager Rede vom 8. April 2009 darauf verwiesen, dass sich zwar „die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs verringert hat, aber dass das Risiko eines atomaren Angriffs gestiegen ist." In den Arsenalen der Nuklearwaffenstaaten existieren heute immer noch zu viele Nuklearwaffen und zuviel spaltbares Material. Die Missachtung des Abrüstungsgebots des NPT-Vertrages durch die Nuklearwaffenstaaten ist einer der Hauptgründe für andere Staaten, selbst Atomwaffen anzustreben. Das Nonproliferationsregime (Nichtverbreitungsregime) steht auch nach dem zweiten Nukleartest Nordkoreas unter Druck. Die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes in regionalen Konflikten ist besorgniserregend aktuell ebenso wie die Möglichkeit eines Terrorismus mit Atomwaffen. Am 9. Januar dieses Jahres haben sich vier renommierte Politiker der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher in Übereinstimmung u.a. mit früheren Außenministern der USA für die Vision einer atomwaffenfreien Welt ausgesprochen und drastische Reduktionen der Nukleararsenale ebenso gefordert wie den Abzug der US-amerikanischen Nuklearwaffen aus Europa und den Verzicht auf den Ersteinsatz von Nuklearwaffen durch die Nuklearwaffenstaaten. Alle diese elder statesmen wissen inzwischen ebenfalls, dass Nuklearwaffen die Sicherheit der Staatengemeinschaft nicht erhöhen, sondern verringern.

Fortsetzung im: [Pdf-Dokument)
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