Diese Webseite wird überarbeitet.

Aktuelle Informationen finden Sie hier: neu.vdw-ev.de

Wir trauern um Egon Bahr

Mit Egon Bahr ist ein Großer der Friedenspolitik gegangen. Wir trauern um ein langjähriges Mitglied, das für viele von uns vorbildlich gewirkt hat.

Abschied von Egon Bahr

 

Egon Bahr spricht auf der Veranstaltung zu 60 Jahre Russell-Einstein-Manifest, 9. Juli 2015.

Vortrag von Egon Bahr "Erfahrung mit Wissenschaftlern und die neuen Herausforderungen für die europäische Sicherheit: Chancen für Rüstungskontrolle und Abrüstung", 9. Juli 2015. In Auszügen veröffentlicht in: WeltTrends – Das außenpolitische Journal, August/September 2015 (Nr. 106-107).

 

 

 

 

 

Whistleblower: Publikationen


Veröffentlichungen von VDW-Mitgliedern


Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)whistleblower2007

Whistleblower in Altenpflege
und Infektionsforschung

Preisverleihung 2007:
Liv Bode, Brigitte Heinisch

Berlin 2007, 80 S., kart.,
ISBN 978-3-8305-1455-8

Mit Sachkenntnis, Beharrlichkeit und internationaler Resonanz hat Dr. Liv Bode über Jahre hinweg im Bereich der Infektionsforschung am Robert Koch-Institut versucht, den Verdacht der Kontamination von Blutplasmaspenden mit infektiösen Bestandteilen von Bornavirus zu klären. Ihrem wissenschaftlichen Engagement, ihrem berufsethischen Verantwortungsbewusstsein und ihrer Ausdauer ist es zu verdanken, dass das Interesse der Öffentlichkeit an dieser brisanten wissenschafts- und gesundheitspolitischen Frage geweckt worden ist. Ihr „Fall“ ist zugleich ein Lehrbeispiel dafür, wie wichtig gerade auch in der staatlichen Ressortforschung Insider sind, die die gesellschaftlichen Folgen ihrer Tätigkeit forschungsbegleitend reflektieren. Es darf nicht länger ein berufliches Risiko darstellen, solche Erwägungen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Die Transparenz wissenschaftlicher und forschungspolitischer Entscheidungen liegt im öffentlichen Interesse.

Brigitte Heinisch war viele Jahre Altenpflegerin in einer Berliner Pflegeeinrichtung mit zirka 160 Pflegeplätzen. Sie konnte sich mit den dortigen Zuständen bei der Pflege und Betreuung alter und hilfebedürftiger Menschen nicht abfinden – zu Recht, wie sich aus dem zwischenzeitlich vorliegenden Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ergibt. Sie entschloss sich, nicht länger zu schweigen. Sie wollte sich nicht zur Komplizin degradieren lassen, die an Missständen in ihrem Arbeits- und Wirkungsbereich durch Wegsehen und Wegducken mitschuldig geworden wäre. Ihr wurde mehrfach gekündigt. Bis heute klagt sie dagegen vor Arbeitsgerichten und dem Bundesverfassungsgericht.

Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)


Wir danken der

Stiftung Europäische Friedenspolitik

und
Prof. Dr. Spiros Simitis

für ihre Unterstützung

[Inhalt]



Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)

whistleblower2005

Whistleblower in Gentechnik
und Rüstungsforschung

Preisverleihung 2005:
Theodore A. Postol, Arpad Pusztai

Berlin 2006, 158 S., kart., 12 s/w Abb., dt./engl.
ISBN 978-3-8305-1262-2

Der Physiker Theodore A. Postol vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Camebridge, USA, kritisiert seit Jahren das amerikanische Raketenabwehrprogramm (GMD) und bezichtigt in diesem Zusammenhang das Lincoln Laboratory des MIT des Wissenschaftsbetrugs sowie das MIT selbst der Vertuschung. Postol äußert seine wissenschaftliche Kritik und seine Warnungen sowohl in Fachkreisen wie auch in den Medien. Er hat damit unter Kollegen und in einer breiteren Öffentlichkeit ernsthafte Zweifel an Sinn und Funktionsfähigkeit der US-amerikanischen Raketenabwehrpläne wie auch an dem zugrunde liegenden militärisch-technischen Sicherheitsverständnis geweckt. Er trägt fortlaufend zur Delegitimierung eines Waffensystems bei, dessen Einführung weitere atomare Aufrüstung in anderen Staaten zur Folge hätte. Mit seiner Kritik an der Vertuschungsstrategie der MIT-Führung hat er darüber hinaus die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Problematik militärischer Geheimforschung an Universitäten gelenkt.

Der Biochemiker Arpad Pusztai leitete in den 1990er Jahren ein dreijähriges, regierungsfinanziertes Großprojekt am Rowett Research Institute, Aberdeen. Mit 35 Jahren Berufserfahrung und 270 internationalen Veröffentlichungen war er ein führender Experte auf dem Gebiet der Lectine, als er bei Fütterungsversuchen mit gentechnisch veränderten Kartoffeln an Ratten Schäden am Immunsystem und Wachstumsstörungen verschiedener Organe feststellte. Er machte diese gänzlich unerwarteten Beobachtungen auf der Basis vorläufiger Ergebnisse öffentlich - aus Besorgnis über eine mögliche Zulassung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel. Das führte zu seiner sofortigen Entlassung. Trotz späterer Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse im angesehenen Fachjournal "The Lancet" wurde die Untersuchung bis heute nicht wiederholt.
Seit seiner Entlassung setzt sich Pusztai weltweit dafür ein, dass die Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen (GVO) mit den angemessenen wissenschaftlichen Methoden geprüft wird. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Risiko- und Sicherheitsforschung zu GVO von Teilen der Wissenschaft, der Politik und der Öffentlichkeit zunehmend kritisch hinterfragt wird.

Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)


Wir danken der

Berghof-Stiftung für Konfliktforschung

und dem
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Büro Einsteinjahr 2005 Berlin

für ihre Unterstützung

[Inhalt]





Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)

whistleblower

Whistleblowerpreis 2003

Daniel Ellsberg

Berlin 2004, 66 S., kart.
ISBN 3-8305-0973-1


Den Whistleblower-Preis 2003 erhielt der Amerikaner Daniel Ellsberg - für sein Lebenswerk.

Anfang der 70er Jahre machte Ellsberg die sogenannten Pentagon-Papers zur jahrzehntelangen Verstrickung der US-Regierung in den Vietnam-Krieg der Öffentlichkeit zugänglich. Er selber hatte als Wissenschaftler an der Zusammenstellung dieser Dokumentation im US-Verteidigungsministerium mitgearbeitet. Die Nixon-Administration reagierte mit massiven Behinderungen der Pressefreiheit und der persönlichen juristischen Verfolgung Ellsbergs, um zu verhindern, dass das ganze Ausmaß von Lüge und amtlicher Täuschung der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt würde.

Der "Fall" Daniel Ellsberg führt vor Augen, welch wichtige Rolle Whistleblower bei der Delegitimierung von Kriegen spielen können. Die Enthüllung der Pentagon Papers hat damals in ganz entscheidendem Maße zur Offenlegung der schmutzigen Hintergründe des Vietnam-Krieges, zum weiteren Anwachsen des Widerstandes der nationalen und internationalen Öffentlichkeit und damit letztlich auch zum Ende des Vietnam-Krieges beigetragen.

Bis heute hat Daniel Ellsberg in seinem Engagement nicht nachgelassen, Rechtsbrüche, Lügen oder Verschleierungsmanöver vor allem in der Militär- und Sicherheitspolitik aufzudecken und aufdecken zu helfen. Er ist - ebenso wie Mordechai Vanunu - weltweit zu einer Symbolfigur und zum Vorbild für Whistleblower geworden.

Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)
[Association of German Scientists]

Ethikschutz-Initiative des International Network of
Engineers and Scientists to Promote and Protect Ethical Engagements
(INESPE)


Wir danken der

Berghof-Stiftung für Konfliktforschung

und der
Nuclear Age Peace Foundation

für ihre Unterstützung

[Inhalt]




Dieter Deiseroth

Zum Umgang mit Dissens in der Wissenschaft




Klaus M. Leisinger

buch-sfwu

Whistleblowing und Corporate Reputation Management

München und Mehring 2003, gebunden, 326 S.,
Rainer Hampp Verlag,
ISBN 3-87988-731-4

Whistleblowing ist in der deutschsprachigen Wirtschafts- und Unternehmensethik - im Gegensatz zur amerikanischen Business Ethics - ein bis heute stark vernachlässigtes Thema. Das Buch von Klaus M. Leisinger füllt also thematisch ein Desiderat und schließt darüber hinaus an die "praktische Wende" in der Unternehmensethik an.

Whistleblowing entsteht aus einem Dissens zwischen Handlungsweisen im Unternehmen oder des Unternehmens und deren Beurteilung hinsichtlich Legalität und Legitimität durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Whistleblower sind Menschen, die sich - zunächst meist auf dem Dienstweg, dann aber auch außerhalb desselben - bemerkbar machen, Der Preis, den sie für ihre Einmischung bezahlen, kann hoch sein: In vielen Fällen werden sie als Lügner, als inkompetente Wichtigtuer oder gar als geistig verwirrt verleumdet und in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Existenz geschädigt, In der vorliegenden Studie geht es aber nicht nur um die Whistleblower bzw. das Whistleblowing selbst, sondern vor allem um Mechanismen und Prozesse in Unternehmen oder anderen Organisationen, die Whistleblowing entstehen lassen. Um dies zu verhindern, müssen Unternehmen im Rahmen einer offenen Unternehmenskultur ein konstruktives Reputation Management umsetzen, das dazu beiträgt, Whistleblowing bereits im Ansatz zu vermeiden. Wie das gelingen kann, wird in der Studie, die anhand einer Fülle von Fallbeispielen das gesamte Spektrum von Whistleblowing deutlich macht, gezeigt.

[Rezension]: Organisationsbürgerliche Zivilcourage in extremis von PETER ULRICH
[Rezension]: FAZ, 15.12.2003, Nr. 291




VDW-Materialien 2/2002

Dieter Deiseroth und Annegret Falter
Zivilcourage im BSE-Skandal
- und die Folgen -
Whistleblower-Preis 2001 für die Tierärztin Dr. Margrit Herbst
Dokumentation und kleine Wirkungsgeschichte

VDW-Materialien 2/2002 (Auszug: PDF-Datei, Größe : 256 kB)





Dieter Deiseroth

buch-whistleblowing

Whistleblowing in Zeiten von BSE

Der Fall der Tierärztin Dr. Margrit Herbst

Berlin 2001, 252 S., kart., 20,- €, 35,20 SFr
ISBN 3-8305-0258-3


Der Begriff des "whistleblowing" (dt. "Alarmschlagen") kommt aus den USA, wo diese Form der Bürgerbeteiligung zum festen Bestandteil der politischen Kultur geworden ist. Whistleblower wenden sich aufgrund interner Kenntnisse gegen ungesetzliche, unlautere oder ethisch zweifelhafte Praktiken in ihrem Betrieb oder ihrer Dienststelle. Ihre Kritik erfolgt in aller Regel zunächst betriebsintern. Sie dringen auf Abhilfe und verweigern u.U. auch ihre weitere Mitwirkung an der kritisierten Praxis. Haben sie damit keinen Erfolg, tragen sie gegebenenfalls ihre Kritik nach außen.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie steht der Fall der Tierärztin Dr. Margrit Herbst. Er offenbart geradezu lehrstückhaft die Schwächen des Schutzes von Whistleblowern in Deutschland. Zugleich entwickelt der Verfasser konkrete Vorschläge zur Verbesserung dieses Schutzes vor unzumutbaren Existenzrisiken. Eine solche Verbesserung liegt nicht nur im Interesse der Betroffenen, sondern auch im wohlverstandenen Eigeninteresse der Gesellschaft. - In einem Exkurs wird das vor kurzem in Kraft getretene britische Whistleblowerschutzgesetz vorgestellt und dokumentiert.
Die Studie wendet sich nicht nur an Juristen. Sie richtet sich an alle, denen am Herzen liegt, dass gerade auch im Arbeitsumfeld der Bürgerinnen und Bürger ein Klima der angstfreien diskursiven Offenheit herrscht. Denn wesentliche Voraussetzung für rationale Diskurse über technologische Risiken, Sicherheitsstandards, Verbraucherschutz etc. sind in einer demokratischen Gesellschaft informierte und verantwortungsbewusste Wortmeldungen gerade von "Insidern".

[Inhalt]




buch-blindheit-der-gesellschaft

Hans-Jochen Luhmann

Die Blindheit der Gesellschaft
Filter der Risikowahrnehmung

München 2001, gebunden, 226 S.,
Gerling Akademie Verlag GmbH
ISBN 3-932425-39-1

"Die Entdeckung eines Umweltproblems erweist sich jeweils als Geschichte einer verzögerten Wahrnehmung, einer temporären Blindheit. Die Befreiung von dieser Blindheit gelingt schließlich, wenn wir einen neuen Standort beziehen. So wird schlagartig sichtbar, daß das Verhalten zuvor blind war gegenüber dem Raubbau an einem Ganzen."

Ökologischen, technischen und finanziellen Gefahren ist mit offenen Augen und Wachsamkeit zu begegnen: Luhmanris Buch ist eine nüchterne Analyse der herrschenden Risikoblindheit und zugleich ein engagiertes Plädoyer für mutige Risikowahrnehmung.

Hans-Jochen Luhmann, Dr. rer. pol., ist stv. Leiter der Abteilung Klimapolltik des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Zu den Schwerpunkten seiner Forschung zählen die Chancen gesellschaftlichen Lernens aus technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Katastrophen und deren bisheriger Bewältigung.

[Rezension]: Manager Bilanz, 4/2002
[Rezension]: Evangelische Aspekte, 2/2002
[Rezension]: Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft, 4/2001




Dieter Deiseroth / Dietmar Göttling (Hrsg./Ed.)

buch-nikitin

Der Fall Nikitin
Eine Dokumentation zur Verleihung des

Whistleblowerpreises 1999

Pittenhart 2000, 110 S., G. Emde Verlag
ISBN 3-923637-56-X

Das Thema "Whistleblowing" gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die spektakulüren Enthüllungen des Beamten der Europäischen Union, Paul van Buitenen, die 1999 letztlich zum Rücktritt der gesamten EU-Kommission unter Jacques Santer führten, haben die Öffentlichkeit auf die bedeutende Funktion von Whistleblowern aufmerksam gemacht.
Von "Whistleblowing" spricht man vor allem dann, wenn Beschäftigte sich aus gemeinnützigen Motiven gegen ungesetzliche, unlautere oder ethisch nicht vertretbare Praktiken in ihrem Arbeits- und Wirkungsbereich wenden.

Am 12. November 1999 wurde zum ersten Mal in der Humboldt-Universität zu Berlin der deutsche "Whistleblowerpreis" vergeben. Preisträger ist der ehemalige Kapitän der russischen Marine, Alexander Nikitin aus St. Petersburg. Der Preisträger erhält die Auszeichnung für seine Publikationen, in denen er u.a. auf verwahrloste Atommüllplätze der russischen Nordmeerflotte in der Andrejew Bay, rund 45 km von der norwegischen Grenze entfernt, auftnerksam gemacht hat. Dort soll in rostigen Behältern weithin ungesichert radioaktives Material lagern.

Alexander Nikitin hat durch seine Veröffentlichungen Überlebensinteressen der Menschheit über seine beruflichen und allgemeinen Loyalitätsbindungen gestellt und dabei erhebliche Nachteile und Gefahren für seine persönliche und berufliche Karriere, für die eigene Freiheit und sogar für das eigene Leben in Kauf genommen.

Der vorliegende Band dokumentiert - mit einem Geleitwort des Bundesverfassungsrichters Dr. Jürgen Kühling - die Reden zur Preisverleihung, Auszüge der inkriminierten Veröffentlichungen, Auszüge der Anklageschrift, das Urteil und Presseberichte.

In einem Nachwort äußert sich Rechtsanwalt Otto Jäckel über seine Erfahrungen als Beobachter des Prozesses.




buch-berufsethische-verantwortung

Dieter Deiseroth

Berufsethische Verantwortung in der Forschung
Möglichkeiten und Grenzen des Rechts
Mit einem Geleitwort von Hans-Peter Dürr

Münster 1997, gebunden, 554 S.,
Lit Verlag
ISBN 3-8258-3160-4

Die neue Reihe RECHT UND ZUKUNFTSVERANTWORTUNG stellt sich mit primär juristischer Schwerpunktsetzung den Umbruchlagen unserer Zivilisation. Herausforderungen in komplexer Gemengelage - z.B. Technologiefolgen und Ökologie, Medizinforschung und Ethik, internationale Friedens- und Bevölkerungspolitik - veranlassen die Wissenschaft und nicht zuletzt das Recht zu neuen Vergewisserungen und angemessenen Konzepten.
Die Reihe bietet eine Plattform für Erträge aus entsprechenden Forschungen (Monographien vor allem auch des wissenschaftlichen Nachwuchses) und fächerverbindenden Diskussionen.

Die vorliegende Studie widmet sich zwei Problemkreisen.

  • Zum einen geht sie der Frage nach, welche rechtlichen Spielräume Wissenschaftler und Ingenieure (beiderlei Geschlechts) im Bereich von Forschung und Entwicklung bei der Wahrnehmung ihrer berufsethischen Verantwortung nach geltendem Recht haben. Sind sie bei ihrer Tätigkeit wie andere Beschäftigte im Konfliktfalle letztlich dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und den Weisungen der Vorgesetzten unterworfen oder können sie sich rechtlich mit Erfolg auf wissenschaftsspezifische Autonomiespielräume berufen?


  • Zweitens versucht sie die Frage zu beantworten, ob und gegebenenfalls welche rechtspolitischen Schritte sich zum Schutz und zur Förderung berufsethischer Verantwortung von Forscherinnen und Forschem empfehlen. Kann dabei auf den Erfahrungen mit US-amerikanischen Whistlerblower-Schutzregelungen und Ethik-Codes aufgebaut werden?


Die Studie wendet sich nicht nur an die Angehörigen der juristischen Berufe, sondem gerade auch an Beschäftigte und Wissenschaftler in universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Studenten sowie die interessierte Öffentlichkeit.





Initiative 1997
Verantwortung in der Wissenschaft

vorgelegt von
Dr. jur., Dr. rer. pol. et phil. h. c. Thomas Ellwein
Prof. (em.) für Politik- und Verwaltungswissenschaft
an der Universität Konstanz

in Zusammenarbeit mit der
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V., Berlin

mit Unterstützung der
Berghof-Stiftung, München

Schliersee / Berlin - September 1997

ZUSAMMENFASSUNG

In den letzten Jahren hat sich die Diskussion über Fragen und Relevanz der Wissenschaftsethik deutlich verstärkt. Dafür gibt es immer mehr äußere Anlässe. Wissenschaftlich fundierte und ermöglichte Innovationen besitzen nicht selten ambivalenten Charakter. Sie können negative gesellschaftliche und ökologische Effekte zeitigen, und solche Effekte scheinen in zunehmendem Maße wahrgenommen zu werden. Darum wird auch die Verantwortung der Wissenschaft mehr angemahnt als früher. Nur: Wieweit sind die wissenschaftlichen Institutionen und wieweit sind Wissenschaftler selbst in der Lage, die potentiell negativen Effekte frühzeitig zu erkennen und in einem offenen Prozeß der Selbstkontrolle verantwortlich aufzufangen? Zu einem solchen Prozeß will die INITATIVE 1997 einen Beitrag leisten.


Bisher waren direkt oder indirekt beteiligte und betroffene wissenschaftlich Tätige nur selten bereit, im gegebenen Falle ethisch begründete Konsequenzen zu ziehen. Das führte zu Versuchen, z.B. Verhaltenscodices zu entwickeln, auf die man sich auch gegen Arbeitgeber, Vorgesetzte oder ein soziales Umfeld berufen kann, das eher Gegebenes stabilisiert und Kritik abweist, als Kollegen in einer Gewissensnot schützt. In Grenzen wurde weiter versucht, wissenschaftlich Tätigen, die ethischen Geboten folgen wollen und damit in Schwierigkeiten geraten, Hilfe anzubieten. Auch dem war aber nur selten Erfolg beschieden, zumal die Mittel für manifeste Hilfe meist nicht vorhanden waren. Als denkbare Umwege boten sich des-halb eine einerseits stärkere Verankerung ethischer Fragestellungen schon im Studium und andererseits das Bemühen an, auf den Gesetzeber einzuwirken, damit er den ihm möglichen Schutz solcher organisiert, die auf Fehlentwicklungen wissenschaftlichen Tuns hinweisen und dadurch beruflich bedroht sind. Beide Umwege zu beschreiten, ist sinnvoll. In näherer Zukunft sind so aber keine greifbaren Ergebnisse zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund will die INITIATIVE 1997 Beiträge dazu leisten, daß

  • wissenschaftsethische Erörterungen ein größeres Echo finden und ein "verantwortungsfreundiges Klima" entsteht,
  • Wissenschaftler ermutigt werden, auf die Folgen der Forschungen und Entwicklungen, an denen sie beteiligt sind, aufmerksam zu machen, wenn sie dabei zuvor nicht wahrgenommene Probleme entdecken,
  • stets die konkreten Arbeitsbedingungen derer berücksichtigt werden, an die sich die Appelle richten,
  • entsprechend institutionelle und problembezogene Anhaltspunkte erarbeitet werden, die Wissenschaftler in ihrer Aufmerksamkeit befördern,
  • bei Anfragen kompetente Beratung gewährleistet und
  • in besonders gravierenden Fällen in einem eigenen Verfahren eine Stellungnahme erarbeitet und öffentlich vorgelegt wird.

Ein Teil dieser Aufgaben stellt sich denen, welche der INITIATIVE 1997 persönlich verbunden sind. An jenen Aufgaben wird gearbeitet durch Teilnahme an der entsprechenden, meist innerwissenschaftlichen Diskussion über die von der Wissenschaft ausgehenden Gefahren (Gefahrenbegriff, Gefahrensystematik) und die Möglichkeit und Notwendigkeit wissenschaftlicher Verantwortung. Das Sekretariat der INITIATIVE leistet dabei organisatorische Hilfe. Die INITIATIVE bemüht sich um Veranstaltungen und Veröffentlichungen, um den Ertrag dieser Arbeit zu sichern. Zu ihr gehören auch Untersuchungen und Darstellungen der Arbeitssituation wissenschaftlich Tätiger. Sie sind deshalb erforderlich, weil die wissenschaftlich Tätigen keine überschaubare Gruppe mehr bilden und die wechselseitige Kenntnis der verschiedenen Kleingruppen als gering einzuschätzen ist.

Neben diesem eher wissenschaftlichen Bemühen der INITIATIVE 1997 steht das um konkrete Beratung, aus der dann ggf. Konsequenzen zu ziehen sind. Die Beratung soll, sofern um sie nachgesucht wird, über das Sekretariat vermittelt und von einer kleinen Gruppe fachkundiger Mitglieder der INITIATIVE durchgeführt werden. Für sie wird es zu vereinbarende Regeln und in Grenzen auch eine Auswertung geben. Dabei wird nach allen bisherigen Erfahrungen zwar mit einer größeren Inanspruchnahme dieses Angebotes nicht gerechnet. Es wäre der angestrebte Zweck aber auch erfüllt, wenn es zu einigen Beratungen und über sie zu eigenen Praxiszugängen der INITIATIVE käme. - In besonders schwierigen Fällen soll die INITIATIVE 1997 - im Zweifel unter Wahrung der Anonymität der Betroffenen, besser aber nach Anhörung der Beteiligten - in einem geregelten Verfahren eine eigene Klärung und Bewertung des Sachverhalts herbeiführen und ihr Urteil abgeben. Das kann nur gelingen, wenn eine kleine Gruppe unabhängiger Personen mit zureichender öffentlicher Reputation diese Aufgabe übernimmt, sich dabei auch der Öffentlichkeit zuwendet und sich der unvermeidlichen Kritik aussetzt.

[INITIATIVE 1997] (PDF-Datei: 218 kB)

Logo VDW e.V.