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Erklärung der VDW 50 Jahre nach der Erklärung der Göttinger 18: eine Welt, frei von Atomwaffen - in Europa anfangen!

Das "Bulletin of the Atomic Scientists" hat am 17. Januar seine symbolische Uhr, die an der Einschätzung der nuklearen Bedrohung ausgerichtet ist, von "Sieben auf Fünf Minuten vor Zwölf" vorgestellt. Die verstärkte Rolle der Nuklearwaffen in der US-Militärdoktrin, der nordkoreanische Nukleartest und die iranischen Nuklearambitionen sind Warnzeichen, die eine zunehmende Renuklearisierung der Weltpolitik befürchten lassen. Auch heute noch, 17 Jahre nach Beendigung des Ost-West-Konfliktes gibt es noch zu viele, einsetzbare Nuklearwaffen, die eine ungeheure Massenzerstörung global wie regional ermöglichen. Das Nichtverbreitungsregime ist stark unter Druck und es besteht die Gefahr, dass sich neue Nuklearwaffenstaaten bilden.

In dieser Situation kommt Europa jetzt eine besondere Verantwortung zu. Diese muss darin bestehen, die Rolle der Nuklearwaffen auch in Europa drastisch zu verringern. Leider gibt es in Großbritannien und in Frankreich Stimmen, die für eine Modernisierung und Erweiterung der nuklearen Fähigkeiten eintreten. In Frankreich wird z.B. eine U-Boot gestützte Langstreckenrakete entwickelt. In Großbritannien verfolgt die Regierung mit Macht den Bau eines Nachfolgers für das Trident-U-Boot. Ein neues U-Boot und eine verbesserte Langstreckenrakete sind allerdings weder nötig noch politisch das richtige Signal in einer Zeit, in der Nuklearwaffen delegitimiert und letztlich abgeschafft werden müssen. Trotz NATO- und EU-Erweiterung existieren noch immer offiziell ca. 500 "taktische Nuklearwaffen" in fünf NATO-Staaten auf europäischem Boden, die in einem zusammenwachsenden Europa keinerlei militärische Bedeutung haben. Die europäischen Staaten sollten nicht in eine neue Generation von Nuklearwaffen investieren, sondern die eigene nukleare Rüstung reduzieren. So kann die nukleare Nichtverbreitung gestärkt und andere Staaten davon abgehalten werden, sich selbst Nuklearwaffen zuzulegen.

Anfang 2007 haben die ehemaligen Außen- bzw. Verteidigungsminister Kissinger, Perry und Shultz nicht nur konkrete Abrüstungs- und Rüstungskontrollschritte gefordert sondern sie sind auch für das Ziel der Schaffung einer Welt, die frei von Nuklearwaffen ist, eingetreten. Dieser Appell an die Regierung der USA und an alle Nuklearwaffenmächte ist ein ermutigendes Zeichen.

Wir rufen als Bürger Europas alle Verantwortlichen dringlich auf, endlich ihren vertraglichen Pflichten aus dem Atomwaffensperrvertrag nachzukommen und mit der Abrüstung dieser furchtbarsten aller Massenvernichtungswaffen im eigenen Land zu beginnen. Diese Aufgabe erfordert höchste Anstrengungen, Aufmerksamkeit und Führerschaft unserer Regierungen. Europa muss die historische Chance nutzen, mit eigener nuklearer Selbstbeschränkung und wirklicher Abrüstung voranzuschreiten. Nur wenn wir selbst nuklear abrüsten, können wir diesen Weg glaubwürdig auch von befreundeten Nationen und Schwellenländern fordern.

Angesichts existentieller Probleme, die zukünftige Entwicklungschancen der Menschheit in unserer ei-nen Welt bedrohen, müssen die Ressourcen deren Überwindung und nicht in eine erneute nukleare Aufrüstung investiert werden.


Unterzeichner:

Vorstand der Vereinigung deutscher Wissenschaftler:
PD Dr. Stephan Albrecht,
Peter J. Croll,
Dr. Henner Ehringhaus,
Prof. Dr. Maria Finckh,
Prof. Dr. Hartmut Graßl,
Prof. Dr. Ernst U. von Weizsäcker

und
Dr. Peter Becker, Vorsitzender der IALANA,
Prof. Dr. Michael Brzoska, Wissenschaftlicher Direktor des IFSH,
Prof. Dr. Paul Crutzen, Nobelpreisträger,
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Justizministerin a.D.,
Dr. Volker Franke, Bereichsleiter BICC,
Winfried Nachtwei, MdB,
Dr. Götz Neuneck, IFSH,
Prof. Dr. Horst-Eberhard Richter, Ehrenpräsident der IPPNW,
Prof. Dr. Jack Steinberger, Nobelpreisträger,
Christoph Strässer, MdB.

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