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Schriftenreihe Wissenschaft in der Verantwortung


Wissenschaft in der Verantwortung - Verantwortung in der Wissenschaft


herausgegeben von der VDW -
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V.

VDW Publikationen 1962-2008: [Dokument]

Mit ihrer Schriftenreihe Wissenschaft in der Verantwortung bietet die VDW ihren Mitgliedern eine Forum zur offenen Diskussion miteinander und mit einer interessierten Öffentlichkeit auf allen Ebenen von Politik und Gesellschaft.

Es wurden hier bereits so wesentliche Zukunftsfragen aufgegriffen wie die Implikationen des globalen Wandels, die Bedeutung öffentlicher Güter für menschliche Sicherheit und Frieden, die Verankerung des Vorsorgeprinzips in Wissenschaft und Politik oder mögliche Folgen der Grünen Gentechnik für Biodiversität und Landwirtschaft. Wissenschaftskritisch wurde nach den Herausforderungen feministischer Theoriebildung gefragt und unter dem Stichwort Neue Aufklärung eine neue Standortbestimmung der Wissenschaft als Folge der radikal veränderten physikalischen Einsichten des letzten Jahrhunderts gefordert.

Sich sozialen und ökologischen Problemen unter dem Gesichtspunkt der Verantwortbarkeit wissenschaftlichen Tun und Lassens annähern heißt immer auch konkret fragen: Haben Wissenschaft, Forschung und Entwicklung einen Anteil am Zustandekommen dieses Problems? Welche Fragen werden zur Problemlösung formuliert und bearbeitet und welche nicht - und warum? Wer trägt dafür die Verantwortung - wie und vor wem?

In diesem Zusammenhang stehen auch die im Zweijahresrhythmus erscheinenden Dokumentationen der Verleihung des Whistleblowerpreises von VDW und IALANA (International Association of Lawyers against Nuclear Arms) an Personen, die in ihrem Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben ("Whistleblower").

Die Schriftenreihe bietet fundierte Beiträge, verständlich geschrieben und wichtig für alle, denen die Verantwortung in Wissenschaft und Forschung ein Anliegen ist.

Folgende Bücher sind im Berliner Wissenschafts-Verlag erschienen:

Whistleblowerpreis 2007
Whistleblowerpreis 2005
Whistleblowerpreis 2003
Neues vom Reichstagsbrand. Eine Dokumentation
Wirklichkeit, Wahrheit, Werte - Wissenschaft
Etablierte Wissenschaft und feministische Theorie im Dialog
Globale öffentliche Güter für menschliche Sicherheit
Whistleblowing in Zeiten von BSE
Global Change - Globaler Wandel
Der blockierte Dialog

Außerhalb der Reihe:

Wertorientierte Wissenschaft




Whistleblowerpreis 2007

Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)
Whistleblower in Altenpflege und Infektionsforschung
Preisverleihung 2007: Liv Bode, Brigitte Heinisch

Berlin 2007, 80 S., kart.,
ISBN 978-3-8305-1455-8


Mit Sachkenntnis, Beharrlichkeit und internationaler Resonanz hat Dr. Liv Bode über Jahre hinweg im Bereich der Infektionsforschung am Robert Koch-Institut versucht, den Verdacht der Kontamination von Blutplasmaspenden mit infektiösen Bestandteilen von Bornavirus zu klären. Ihrem wissenschaftlichen Engagement, ihrem berufsethischen Verantwortungsbewusstsein und ihrer Ausdauer ist es zu verdanken, dass das Interesse der Öffentlichkeit an dieser brisanten wissenschafts- und gesundheitspolitischen Frage geweckt worden ist. Ihr „Fall“ ist zugleich ein Lehrbeispiel dafür, wie wichtig gerade auch in der staatlichen Ressortforschung Insider sind, die die gesellschaftlichen Folgen ihrer Tätigkeit forschungsbegleitend reflektieren. Es darf nicht länger ein berufliches Risiko darstellen, solche Erwägungen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Die Transparenz wissenschaftlicher und forschungspolitischer Entscheidungen liegt im öffentlichen Interesse.

Brigitte Heinisch war viele Jahre Altenpflegerin in einer Berliner Pflegeeinrichtung mit zirka 160 Pflegeplätzen. Sie konnte sich mit den dortigen Zuständen bei der Pflege und Betreuung alter und hilfebedürftiger Menschen nicht abfinden – zu Recht, wie sich aus dem zwischenzeitlich vorliegenden Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ergibt. Sie entschloss sich, nicht länger zu schweigen. Sie wollte sich nicht zur Komplizin degradieren lassen, die an Missständen in ihrem Arbeits- und Wirkungsbereich durch Wegsehen und Wegducken mitschuldig geworden wäre. Ihr wurde mehrfach gekündigt. Bis heute klagt sie dagegen vor Arbeitsgerichten und dem Bundesverfassungsgericht.


Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)


Wir danken der

Stiftung Europäische Friedenspolitik

und
Prof. Dr. Spiros Simitis

für ihre Unterstützung

[Inhalt]


Whistleblowerpreis 2005

Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)
Whistleblower in Gentechnik und Rüstungsforschung Preisverleihung 2005: Theodore A. Postol, Arpad Pusztai

Berlin 2006, 158 S., kart., 12 s/w Abb., dt./engl.
ISBN 978-3-8305-1262-2


Der Physiker Theodore A. Postol vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Camebridge, USA, kritisiert seit Jahren das amerikanische Raketenabwehrprogramm (GMD) und bezichtigt in diesem Zusammenhang das Lincoln Laboratory des MIT des Wissenschaftsbetrugs sowie das MIT selbst der Vertuschung. Postol äußert seine wissenschaftliche Kritik und seine Warnungen sowohl in Fachkreisen wie auch in den Medien. Er hat damit unter Kollegen und in einer breiteren Öffentlichkeit ernsthafte Zweifel an Sinn und Funktionsfähigkeit der US-amerikanischen Raketenabwehrpläne wie auch an dem zugrunde liegenden militärisch-technischen Sicherheitsverständnis geweckt. Er trägt fortlaufend zur Delegitimierung eines Waffensystems bei, dessen Einführung weitere atomare Aufrüstung in anderen Staaten zur Folge hätte. Mit seiner Kritik an der Vertuschungsstrategie der MIT-Führung hat er darüber hinaus die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Problematik militärischer Geheimforschung an Universitäten gelenkt.

Der Biochemiker Arpad Pusztai leitete in den 1990er Jahren ein dreijähriges, regierungsfinanziertes Großprojekt am Rowett Research Institute, Aberdeen. Mit 35 Jahren Berufserfahrung und 270 internationalen Veröffentlichungen war er ein führender Experte auf dem Gebiet der Lectine, als er bei Fütterungsversuchen mit gentechnisch veränderten Kartoffeln an Ratten Schäden am Immunsystem und Wachstumsstörungen verschiedener Organe feststellte. Er machte diese gänzlich unerwarteten Beobachtungen auf der Basis vorläufiger Ergebnisse öffentlich - aus Besorgnis über eine mögliche Zulassung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel. Das führte zu seiner sofortigen Entlassung. Trotz späterer Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse im angesehenen Fachjournal "The Lancet" wurde die Untersuchung bis heute nicht wiederholt.
Seit seiner Entlassung setzt sich Pusztai weltweit dafür ein, dass die Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen (GVO) mit den angemessenen wissenschaftlichen Methoden geprüft wird. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Risiko- und Sicherheitsforschung zu GVO von Teilen der Wissenschaft, der Politik und der Öffentlichkeit zunehmend kritisch hinterfragt wird.


Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)


Wir danken der

Berghof-Stiftung für Konfliktforschung

und dem
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Büro Einsteinjahr 2005 Berlin

für ihre Unterstützung

[Inhalt]



Whistleblowerpreis 2003

Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.)
Whistleblowerpreis 2003
Daniel Ellsberg

Berlin 2004, 66 S., kart.
ISBN 3-8305-0973-1


Den Whistleblower-Preis 2003 erhielt der Amerikaner Daniel Ellsberg - für sein Lebenswerk.

Anfang der 70er Jahre machte Ellsberg die sogenannten Pentagon-Papers zur jahrzehntelangen Verstrickung der US-Regierung in den Vietnam-Krieg der Öffentlichkeit zugänglich. Er selber hatte als Wissenschaftler an der Zusammenstellung dieser Dokumentation im US-Verteidigungsministerium mitgearbeitet. Die Nixon-Administration reagierte mit massiven Behinderungen der Pressefreiheit und der persönlichen juristischen Verfolgung Ellsbergs, um zu verhindern, dass das ganze Ausmaß von Lüge und amtlicher Täuschung der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt würde.

Der "Fall" Daniel Ellsberg führt vor Augen, welch wichtige Rolle Whistleblower bei der Delegitimierung von Kriegen spielen können. Die Enthüllung der Pentagon Papers hat damals in ganz entscheidendem Maße zur Offenlegung der schmutzigen Hintergründe des Vietnam-Krieges, zum weiteren Anwachsen des Widerstandes der nationalen und internationalen Öffentlichkeit und damit letztlich auch zum Ende des Vietnam-Krieges beigetragen.

Bis heute hat Daniel Ellsberg in seinem Engagement nicht nachgelassen, Rechtsbrüche, Lügen oder Verschleierungsmanöver vor allem in der Militär- und Sicherheitspolitik aufzudecken und aufdecken zu helfen. Er ist - ebenso wie Mordechai Vanunu - weltweit zu einer Symbolfigur und zum Vorbild für Whistleblower geworden.


Der Whistleblowerpreis wird vergeben von:

Deutsche Sektion der
International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA)

Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW)
[Association of German Scientists]

Ethikschutz-Initiative des International Network of
Engineers and Scientists to Promote and Protect Ethical Engagements
(INESPE)


Wir danken der

Berghof-Stiftung für Konfliktforschung

und der
Nuclear Age Peace Foundation

für ihre Unterstützung

[Inhalt]




Hans SchneiderNeues vom Reichtstagsbrand? Eine Dokumentation
Neues vom Reichstagsbrand? Eine Dokumentation
Ein Versäumnis der deutschen Geschichtsschreibung

Mit einem Geleitwort von Iring Fetscher und Beiträgen von
Dieter Deiseroth, Hersch Fischler, Wolf-Dieter Narr

Berlin 2004, 258 S., kart.
ISBN 3-8305-0915-4


Am 27.2.1933 brannte der Reichstag zu Berlin. Die nationalsozialistisch geführte Hitler-Regierung bezeichnete die Reichstagsbrandstiftung sofort als den bis dahin größten kommunistischen Terrorakt in Deutschland. Sie organisierte noch in der selben Nacht eine große Verhaftungswelle gegen kommunistische Abgeordnete, Funktionäre und ihr verhasste Linke und Linksliberale. Am nächsten Tag folgte die von Reichspräsident Hindenburg unterzeichnete "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat". Zur Abwendung staatsgefährdender kommunistischer Gewaltakte wurden bis auf weiteres wichtige Grundrechte aufgehoben und die polizeiliche, richterlich nicht mehr überprüfbare Schutzhaft eingeführt wurde.

Die Notverordung lieferte die legale Grundlage für die NS-Terrorherrschaft und half den Nationalsozialisten später auch jede andere Opposition auszuschalten. Bereits in der Brandnacht verbreitete sich das Gerücht, die Nationalsozialisten hätten den Brand selbst gelegt um die Weimarer Demokratie endgültig zu beseitigen.

Im Dezember 1933 verurteilte das Reichsgericht in Leipzig den Holländer Marinus van der Lubbe zum Tode. Er war am Brandort angetroffen worden und rühmte sich, den Brand allein gelegt zu haben. Er wurde hingerichtet. Vier kommunistischen Angeklagte sprach das Reichsgericht frei. Ihnen war eine Tatbeteiligung nicht nachzuweisen.

Das Reichsgericht stellte Beweise für Mittäter van der Lubbes fest, die unerkannt entkommen waren. Es vermutete diese Mittäter im "kommunistischen Lager" und wies jeden Verdacht, es habe sich dabei um Nationalsozialisten gehandelt, zurück. Genau diesen Verdacht hegten schon 1933 viele, die in Opposition zum Nazi-Regime standen, aber auch viele Nationalsozialisten und Deutschnationale selbst. Nach dem Ende des Dritten Reiches wurde diese Ansicht zeitweise zur herrschenden Meinung, wobei man annahm, die NS-Täter ließen sich nicht mehr ermitteln, weil die Nationalsozialisten alle Beweise und sogar die unmittelbaren Täter beseitigt hätten.

1959/60 veröffentlichte "DER SPIEGEL" eine sensationell aufgemachte Serie zum Reichstagsbrand. Ihr Autor, der niedersächsische Verfassungsschutzbeamte Fritz Tobias, behauptete darin auf der Grundlage vernichtet geglaubter Polizeiprotokolle von Marinus van der Lubbes Geständnis, van der Lubbe sei tatsächlich der alleinige Täter gewesen, die Nationalsozialisten hätten an der Brandstiftung keinerlei Anteil gehabt. Rudolf Augstein versicherte, der Spiegel habe mit umfangreichen Recherchen, die alle Maßstäbe publizistischer Sorgfalt sprengten, Tobias´ These von der Alleintäterschaft van der Lubbes bewiesen. Die Spiegel-Serie stieß dennoch auf große Skepsis.

Das 1949 zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus gegründete Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München beauftragte 1960 den Historiker Hans Schneider, die Alleintäterthese anhand aller noch erreichbaren Quellenmaterialien wissenschaftlich zu überprüfen. Schneider beschaffte mit den Prozessprotokollen wichtige Quellenmaterialien, die über diejenigen der Spiegel-Serie und die eines später von Tobias in eigener Regie publizierten Buches hinausgingen. Schneider dokumentierte, dass Fritz Tobias die Quellen selektiv ausgewertet, verzerrt und verfälscht hatte und nur so seine Alleintäterthese plausibel machen konnte. Er dokumentierte weiter, dass die Quellen die Feststellung des Reichsgerichts über Mittäter stützten. Die müssten aber nicht bei den Kommunisten, sondern bei den Nationalsozialisten vermutet werden. Vor der Fertigstellung seines Forschungsberichts, nach knapp zweieinhalb Jahren, entzog das IfZ Hans Schneider den Forschungsauftrag. 1964 veröffentlichte es statt dessen einen Beitrag von Dr. Hans Mommsen, der Tobias´ Alleintäterthese pauschal und in vollem Um-fang bestätigte. Diese Publikation auf der Grundlage von Tobias' Buch hat die weitere fachhistorische und öffentliche Debatte bis heute geprägt.

Erst vor kurzem hat der Publizist Hersch Fischler die Umstände aufgedeckt, unter denen Hans Schneider seinerzeit der Forschungsauftrag vom renommierten Institut für Zeitgeschichte entzogen und die Veröffentlichung seiner unvollendet gebliebenen Studie hintertrieben wurde. Dieser bis in die Gegenwart weithin unbekannt gebliebene, spannende Wissenschaftsskandal hat die VDW veranlasst, Hans Schneiders Studie sowie dazu gehörige Dokumente nunmehr der Öffentlichkeit allgemein zugänglich zu machen. Gerade die historische, für das gegenwärtige Verstehen der Vergangenheit wichtige Wissenschaft kann nur dann ihren Anspruch, der Wahrheit verpflichtet zu sein, erfüllen, wenn sie transparent und ohne Unterdrückung abweichender Meinungen, ohne Erkenntnis hemmende Interventionen von innen oder außen praktiziert wird. Es geht hier auch um das zentrale Thema des Umgangs mit Dissens in der Wissenschaft.

Es ist hohe Zeit, dass das Institut für Zeitgeschichte und die Gemeinschaft der Wissenschaftler aus diesem Lehrstück die notwendigen Konsequenzen ziehen. Dem widmen sich in diesem Buch die Beiträge von Dieter Deiseroth, Hersch Fischler und Wolf-Dieter Narr.

[Inhalt]
[Geleitwort von Iring Fetscher]
[Aktennotiz Hans Mommsen / Schreiben Helmut Krausnick]
[Anmerkung von Dieter Deiseroth zu H.-J. Bieber (21.02.2006)]
[Stellungnahme von Fritz Klein (24.01.2005)]
[Stellungnahme von Hans-Joachim Bieber, Kassel (11.01.2005)]
[Stellungnahme von Otto Dann (11.12.2004)]
[Schreiben von Hersch Fischler an Otto Dann (07.01.2005)]
[Stellungnahme von Hans G. Nutzinger (08.12.2004 ff.)]



Wirklichkeit, Wahrheit, Werte - Wissenschaft

Hans-Peter Dürr, Hans-Jürgen Fischbeck (Hrsg.)
Wirklichkeit, Wahrheit, Werte - Wissenschaft
Ein Beitrag zum Diskurs "Neue Aufklärung"

Berlin 2003, 175 S., kart.,
ISBN 3-8305-0347-4


Wo und wie im Forschungs-und Entwicklungsprozeß kann der Erosion von Grundwerten und dem Primat des technisch Machbaren vor dem gesellschaftlich Bedachten noch Einhalt gebo-ten werden? Dies ist eine der zentralen Fragen des vorliegenden Tagungsbandes.

Grundlagenwissenschaft behauptet unbeirrt ihre Wertfreiheit. Erst bei der Anwendung kämen, so heißt es, Werte ins Spiel, die sich rational nicht begründen ließen. Jenseits aller epistemo-logischen Einwände wird diese Behauptung durch den Umstand obsolet, dass Grundlagen- und Anwendungsforschung sich inzwischen kaum mehr sinnvoll voneinander abgrenzen lassen. Je technischer und teurer die experimentelle Wissenschaft ist, umso mehr amalgamieren sie schon aus finanziellen Gründen - von Ausnahmen abgesehen. Zwar haben Sein und Sollen nichts miteinander zu tun, wohl aber sind Wissen und Wollen aufeinander bezogen. Das Wollen ist unter finanziellen Bedingungen keineswegs nur durch wissenschaftliche Neugier bestimmt.

Dieses Wollen hätte nach dem Sollen zu fragen, aber das ist kein Thema in den Labors, Kolloquien und Kongressen. "Forschungsfreiheit" wird geltend gemacht, wenn Fragen nach den Interessen, Orientierungen und Werten aufkommen. Zur Rechtfertigung wird hingegen gern auf die technische Anwendbarkeit hingewiesen. Hat Forschung erst einmal anwendbare Resultate erbracht, gilt der technologische Imperativ: Das Machbare wird gemacht, sonst macht es ein anderer. Und dies ist fast immer auch ein ökonomischer Imperativ. Wirklichen Druck entfalten Interessen erst, wenn sie mit Kaufkraft verbunden sind. Die Würde und die Integrität des Menschen aber als erste und oberste gesellschaftliche Werte haben keinen Marktwert.

Die daraus resultierenden Dilemmata am Beispiel der sogenannten Reprogenetik aufzuzeigen, war Anliegen einer Tagung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) mit dem Titel: "Welchen Wert hat die Wissenschaft? - Zwischen Sein und Sollen, Wissen und Wollen:
Beispiel Humangenetik und Embryonenforschung. Ein Beitrag zum Diskurs Neue Aufklärung". Sie fand im November 2000 in Berlin in Zusammenarbeit mit den Evangelischen Akademien Mülheim und Berlin statt. Die Vorarbeiten zur Tagung hatte eine VDW-Studiengruppe unter der Ägide meines Mitherausgebers, des beiden Institutionen verbundenen Physikers und DDR-Bürgerrechtlers Hans-Jürgen Fischbeck geleistet. Bei den in diesem Band versammelten Aufsätzen handelt es sich im wesentlichen um Vorträge der Tagung, ergänzt um Debattebeiträge im Kontext der Studiengruppenarbeit. Hans-Jürgen Fischbeck und allen Referenten und Autoren gebührt an dieser Stelle noch einmal Dank für ihre engagierte Mitarbeit.

[Inhalt]



Etablierte Wissenschaft und feministische Theorie im Dialog

Claudia von Braunmühl (Hrsg.)
Etablierte Wissenschaft und feministische Theorie im Dialog

Berlin 2003, 305 S., kart.,
ISBN 3-8305-0346-6


In nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen sind Frauen an Entscheidungsmacht und Status vergebender Stelle eher eine Marginalie. In nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen hat die Erfahrung der sozialen Platzanweiserfunktion Geschlecht zur Entwicklung und Entfaltung feministischer Forschung und Theorieentwicklung geführt. Feministische Theorieansätze indes sind bislang bestenfalls als Separatveranstaltung aufgetreten und in der etablierten Wissenschaft weder zitiert noch rezipiert. Das Projekt, die Relevanz der Kategorie Geschlecht in die jeweiligen Disziplinen und Teildisziplinen hineinzutragen, ist auf Rezeption und Dialog angewiesen. Damit, so der wiederkehrende Befund, ist es schlecht bestellt.
Am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin suchte 1998 eine erste Ringvorlesung "Zur Rezeption feministischer Theorie-Impulse im Wissenschaftsbetrieb" den Stand der Zurkenntnisnahme feministischer Theorieansätze in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu eruieren. Die Auswertung der Veranstaltung ergab, dass es gewinnbringend sein könnte, die Ebene von Monolog und Gegen-Monolog zu verlassen und Dialoge in die Wege zu leiten. Dies geschah mit einer im Wintersemester 2001/2002 durchgeführten Ringvorlesung "Etablierte Wissenschaft und feministische Theorie im Dialog".
Ziel war zunächst einmal, Wahrnehmungs- und Anerkennungsbarrieren abzubauen. In vielfältigen fachlichen Zusammenhängen wurden wiederkehrende, zugleich differenzierte Antworten gegeben auf zentrale Fragen: Wie und warum wird HERRschende Lehre eine solche? Wie geht sie mit kritischen, von ihr nicht erwarteten und eingeladenen Innovationsangeboten um? Weiche gesellschaftlichen Konstruktionen und Annahmen gehen in wissenschaftliche Theorien und Herangehensweisen ein, ohne sich als solche zu erkennen oder erkennen zu geben? Von weichem wissenschaftlichen Wert ist die feministische Dekonstruktion von im Wissenschaftsbetrieb anerkannten und allem Anschein nach bewährten Theorien und Methoden?

[Inhalt]




Etablierte Wissenschaft und feministische Theorie im Dialog

Birgit Mahnkopf (Hrsg.)
Globale öffentliche Güter für menschliche Sicherheit

Berlin 2002, 217 S., kart.,
ISBN 3-8305-0345-8


Ökonomische Globalisierung, politische Deregulierung, soziale Flexibilisierung und rechtliche Privatisierung sind die zusammenhängenden Aspekte eines umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozesses um die Jahrhundertwende. In dessen Verlauf werden Institutionen, die ein gewisses Maß an human security gewährleisten, unterhöhlt. Normen und Regeln, die Verhaltenssicherheit verlangten und gleichzeitig gewährleisteten, werden aufgelöst. Mehr noch: Im Maße der ökologischen Degradation werden die Sicherheit der Ernährung und der Versorgung mit lebenswichtigen Res-
sourcen, ja die Überlebensbedingungen der Menschheit gefährdet. Unter dem Druck der Konkurrenz findet überall in der Welt ein Abbau von sozialstaatlichen Regelsystemen statt, die Erwerbsarbeit mit so- zialer Sicherheit verknüpft haben.
Wie kann menschliche Sicherheit in globalisierter und deregulierter Welt geschützt werden? Die Bereitstellung globaler öffentlicher Güter - zur Gewährleistung von Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung, finanzieller Stabilität, öffentlicher und sozioökonomischer Sicherheit - und der Zugang zu ihnen sind Voraussetzungen eines "gerechten Friedens". Die veränderten Kräfteverhältnisse von Ökonomie und Politik, von Markt und Staat, von privater und öffentlicher Sphäre sind auch für Bereitstellung von und Zugang zu öffentlichen Gütern in hinreichender Quantität und Qualität belangvoll.
Dem Schutz der öffentlichen Güter zur Gewährleistung von menschlicher Sicherheit widmen die in dem vorliegenden Band versammelten Beiträge ihre Aufmerksamkeit; sie sind auf der Jahrestagung 2001 der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) vorgestellt und diskutiert worden. Sie werden nun einer breiteren Öffentlichkeit in der Erwartung vorgelegt, eine notwendige Diskussion voranzutreiben.

[Inhalt]




Whistleblowing in Zeiten von BSE

Dieter Deiseroth
Whistleblowing in Zeiten von BSE
Der Fall der Tierärztin Dr. Margrit Herbst

Berlin 2001, 252 S., kart.,
ISBN 3-8305-0258-3


Der Begriff des "whistleblowing" (dt. "Alarmschlagen") kommt aus den USA, wo diese Form der Bürgerbeteiligung zum festen Bestandteil der politischen Kultur geworden ist. Whistleblower wenden sich aufgrund interner Kenntnisse gegen ungesetzliche, unlautere oder ethisch zweifelhafte Praktiken in ihrem Betrieb oder ihrer Dienststelle. Ihre Kritik erfolgt in aller Regel zunächst betriebsintern. Sie dringen auf Abhilfe und verweigern u.U. auch ihre weitere Mitwirkung an der kritisierten Praxis. Haben sie damit keinen Erfolg, tragen sie gegebenenfalls ihre Kritik nach außen.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie steht der Fall der Tierärztin Dr. Margrit Herbst. Er offenbart geradezu lehrstückhaft die Schwächen des Schutzes von Whistleblowern in Deutschland. Zugleich entwickelt der Verfasser konkrete Vorschläge zur Verbesserung dieses Schutzes vor unzumutbaren Existenzrisiken. Eine solche Verbesserung liegt nicht nur im Interesse der Betroffenen, sondern auch im wohlverstandenen Eigeninteresse der Gesellschaft. - In einem Exkurs wird das vor kurzem in Kraft getretene britische Whistleblowerschutzgesetz vorgestellt und dokumentiert.
Die Studie wendet sich nicht nur an Juristen. Sie richtet sich an alle, denen am Herzen liegt, dass gerade auch im Arbeitsumfeld der Bürgerinnen und Bürger ein Klima der angstfreien diskursiven Offenheit herrscht. Denn wesentliche Voraussetzung für rationale Diskurse über technologische Risiken, Sicherheitsstandards, Verbraucherschutz etc. sind in einer demokratischen Gesellschaft informierte und verantwortungsbewusste Wortmeldungen gerade von "Insidern".

[Inhalt]




Global Change - Globaler Wandel

Rolf Kreibich, Udo E. Simonis (Hrsg.)
Global Change - Globaler Wandel
Ursachenkomplexe und Lösungsansätze
Causal Structures and Indicative Solutions

Berlin 2000, 307 S., kart.,
ISBN 3-8305-0098-X


Mit dem Thema Global Change - Globaler Wandel will die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) ihrer besonderen Verpflichtung nachkommen, auf herausragende Probleme und Folgen, die sich aus der fortschreitenden Entwicklung von Wissenschaft und Technik ergeben, aufmerksam zu machen. Dass die Globalisierung der Wirtschaft, der Umweltprobleme und der sozialen Ungleichheit in besonderer Weise mit der modernen Wissensproduktion sowie ihrer technisch-wirtschaftlichen und politischen Verwertung gekoppelt ist, steht außer Zweifel. Bei den Wirkungen des Globalen Wandels handelt es sich um die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts - immer näher rücken wir an die globalen Belastungsgrenzen der Biosphäre heran, und immer geringer wird für die meisten Menschen die Orientierung und Zukunftssicherheit im Dickicht der komplizierten Ursachenkomplexe weltweiter Entwicklungen.
Das vorliegende Werk versucht durch Arbeiten fachlich ausgewiesener Wissenschaft-
lerinnen und Wissenschaftler, Beiträge zur Informations- und Handlungsorientierung zu leisten. Im Mittelpunkt stehen Analysen der Triebkräfte des Globalen Wandels, der Bevölkerungsdynamik, der Globalisierung von Wirtschaft und Kommunikation und deren Auswirkungen in Form des beschleunigten Klimawandels, des zunehmenden Verlustes von Tier- und Pflanzenarten, der Bodendegradation, der Wasserverknappung sowie der wachsenden Disparitäten zwischen Erster und Dritter Welt. Das Buch bietet aber auch Lösungsansätze und Strategien für zukunftsfähige Entwicklungen. Dabei spielt das von der internationalen Staatengemeinschaft im Rahmen der AGENDA 21 verabschiedete Konzept der nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) eine herausragende Rolle. Die Einbindung der meisten Autorinnen und Autoren in internationale Netzwerke und ihre mannigfaltigen Erfahrungen in verschiedenen Praxisbereichen machen das Buch nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Politik, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft wichtig und verdeutlichen seinen besonderen Wert für die zukünftige Handlungsorientierung.

[Inhalt]




Der blockierte Dialog

Claudia von Braunmühl (Hrsg.)
Der blockierte Dialog
Zur Rezeption feministischer Theorie-Impulse im Wissenschaftsbetrieb

Berlin 1999, kart., 162 S.,
ISBN 3-8305-0002-5


Es gibt kaum eine Wissenschaftsdisziplin, zu der nicht eine feministische Perspektive
entwickelt worden ist. In vielen Bereichen sind feministische Wissenschaftszusammen-
hänge mittlerweile in Sektionen der entsprechenden wissenschaftlichen Fachverbände organisiert und werden eigene Fachgebietszeitschriften herausgegeben. Femistische Theorie ist in nur mehr schwer überschaubaren, weil enorm differenzierten Publikationen und in zahlreichen wissenschaftlichen Zeitschriften vertreten.
Der Wissenschaftsbetrieb, insbesondere in Deutschland, tut sich indes nach wie vor schwer mit dem Dialog mit feministischer Theorie und zieht der Aufnahme eines offenbar als unwägbar gefährlich erachteten Gesprächs noch immer bleiernes Schweigen vor.
Der ganze Wissenschaftsbetrieb? Nein! Im Sommersemester 1998 fand am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin eine Ringvorlesung zu dem Thema "Zur Rezeption feministischer Theorie-Impulse im Wissenschaftsbetrieb" statt. Der Band dokumentiert die aus diesem Anlaß von männlichen Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen geführte, zum Teil erstmals aufgenommene Ausein-
andersetzung mit feministischer Theorie und zeigt, wie lohnend der Dialog sein kann.

[Inhalt]




Nachfolgende Bücher sind außerhalb der Reihe erschienen:

Global Change - Globaler Wandel

Hans-Jürgen Fischbeck / Jan C. Schmidt (Hrsg.)
Wertorientierte Wissenschaft
Perspektiven für eine Erneuerung der Aufklärung

Berlin 2002, kart., 188 S., Ed. Sigma
ISBN 3-89404-498-5

Der Aufklärung verdanken wir die wesentlichen Errungenschaften der Moderne, insbesondere die atemberaubenden Fortschritte von Wissenschaft und Technik. Sie begleiten uns heute in allen Lebensbereichen von der Wiege bis zur Bahre. Angesichts der sozial-ökologischen Probleme der Gegenwart stellt sich jedoch die Frage, ob die Aufklärung nicht einseitig gewesen ist, indem sie enormes wissenschaftlich-technisches Verfügungswissen hervorgebracht hat, ohne in ausreichendem Umfang auch Orientierungswissen bereitzustellen. Heute ist eine Erneuerung und Fortführung der Aufklärung erforderlich, um einen orientierenden, kritischen und reflexiven Umgang mit Wissenschaft und Technik zu erlernen. Eine interdisziplinäre Studiengruppe der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der Naturwissenschaftler/innen-Initiative Verantwortung für Friedens- und Zukunftsfähigkeit" an der Evangelischen Akademie Mülheim hat untersucht, welche Wege aus den Aporien einer scheinbar wertfreien Wissenschaft herausführen und wie Orientierungswissen als ein neuer Wissenstyp etabliert werden kann. Dieser Band präsentiert die vielfältigen Facetten dieser Reflexion aus philosophischer, natur- und sozialwissenschaftlicher Sicht.

[Inhalt]


VDW Publikationen 1962-2008

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