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Die Gunst der Stunde nutzen: Verantwortung wahrnehmen, jetzt atomar abrüsten

Erklärung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Deutschland

Die VDW begrüßt ausdrücklich die strategische Initiative von US Präsident Obama zur Wiederbelebung globaler Rüstungskontrollen und Abrüstung mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt und erklärt ihre Bereitschaft, daran mitzuwirken. Die deutsche Wissenschaft ist aufgefordert, sich an den verbesserten Verifikationssystemen für spaltbares Material und einer effizienten Verifikation künftiger Rüstungskontrollabkommen zu beteiligen. Wir erwarten von der Bundesregierung, der Wissenschaft die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um dem Ziel einer Welt ohne Nuklearwaffen näherzukommen. Bundeskanzlerin A. Merkel und Außenminister F.-W. Steinmeier sollten rasch einen gemeinsamen Aktionsplan vorstellen, der detailliert und zeitnah ausführt, wie die Bundesrepublik Deutschland und ihre politischen und wissenschaftlichen Institutionen an der Initiative einer atomwaffenfreien Welt mitwirken können. Als ersten Schritt in diese Richtung sollten die Bundeskanzlerin und der US-Präsident den vollständigen sofortigen Abzug aller taktischen Nuklearwaffen aus Deutschland verabreden.

Seit ihrer Gründung vor fünfzig Jahren setzt sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) kontinuierlich für nukleare Abrüstung und damit eine friedlichere, atomwaffenfreie Welt ein. Achtzehn führende deutsche Kernphysiker darunter Otto Hahn, Werner Heisenberg, Max von Laue und Carl Friedrich von Weizsäcker haben am 12. April 1957 in der „Göttinger Erklärung" den Verzicht der Bundesrepublik Deutschland auf jeglichen Atomwaffenbesitz gefordert. Im Rahmen der "Pugwash Conferences on Science and World Affairs", deren deutsche Sektion die VDW ist, haben zahllose Wissenschaftler und Wissenschafterinnen über Jahrzehnte friedenspolitische, völkerrechtliche und technische Grundlagen für eine atomwaffenfreie Welt erarbeitet. Sie waren durch Kooperationen, Workshops und Gespräche über alle Blockgrenzen hinweg an der Beendigung des Kalten Krieges ebenso beteiligt wie an der Weiterentwicklung der Rüstungskontrolle und der konventionellen wie nuklearen Abrüstung. Präsident Obama hat in seiner Prager Rede vom 8. April 2009 darauf verwiesen, dass sich zwar „die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs verringert hat, aber dass das Risiko eines atomaren Angriffs gestiegen ist." In den Arsenalen der Nuklearwaffenstaaten existieren heute immer noch zu viele Nuklearwaffen und zuviel spaltbares Material. Die Missachtung des Abrüstungsgebots des NPT-Vertrages durch die Nuklearwaffenstaaten ist einer der Hauptgründe für andere Staaten, selbst Atomwaffen anzustreben. Das Nonproliferationsregime (Nichtverbreitungsregime) steht auch nach dem zweiten Nukleartest Nordkoreas unter Druck. Die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes in regionalen Konflikten ist besorgniserregend aktuell ebenso wie die Möglichkeit eines Terrorismus mit Atomwaffen. Am 9. Januar dieses Jahres haben sich vier renommierte Politiker der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher in Übereinstimmung u.a. mit früheren Außenministern der USA für die Vision einer atomwaffenfreien Welt ausgesprochen und drastische Reduktionen der Nukleararsenale ebenso gefordert wie den Abzug der US-amerikanischen Nuklearwaffen aus Europa und den Verzicht auf den Ersteinsatz von Nuklearwaffen durch die Nuklearwaffenstaaten. Alle diese elder statesmen wissen inzwischen ebenfalls, dass Nuklearwaffen die Sicherheit der Staatengemeinschaft nicht erhöhen, sondern verringern.

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