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Whistleblower: Preisverleihung

Whistleblower-Preisverleihung 2013 an Edward Snowden, 30.08.13, Berlin [Programm]

 

Veranstaltungs-Dokumentation:

 

Whistleblower Links:

 

Whistleblower-Preis:

Der Whistleblower-Preis wurde von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), der deutschen Sektion der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) und der Ethikschutz-Inititative des International Network for Engineers and Scientists for Social Responsibility (INESPE) gestiftet und erstmals im Jahre 1999 vergeben. Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben ("Whistleblower").


[Whistleblower-Information und Preisträger zum Download]

Preisträger:
 

2013: Edward Snowden

Pressemitteilung vom 24.07.13: Der diesjährige Whistleblowerpreis geht an den US-Amerikaner Edward J. Snowden. Er hat als Insider die massenhafte und verdachtsunabhängige Ausforschung und Speicherung von Kommunikationsdaten durch westliche Geheimdienste öffentlich gemacht. Mit dem Whistleblowerpreis werden Personen ausgezeichnet, die im öffentlichen Interesse schwerwiegende Missstände und gefährliche Entwicklungen für Mensch und Gesellschaft, Demokratie, Frieden und Umwelt aufdecken.

Der Whistleblowerpreis wird seit 1999 alle zwei Jahre von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.) und der deutschen Sektion von IALANA International Association of Lawyers Against Nuclear Arms verliehen. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainer Moormann  (2011: Risiken des Kugelhaufenreaktors), Rudolf Schmenger/Frank Wehrheim (2009: Frankfurter Steuerfahnder) und Brigitte Heinisch (2007: Berliner Altenpflegerin). Erstmalig beteiligt sich in diesem Jahr die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. an der Preisverleihung.

Die Enthüllungen von Edward J. Snowden machen es nach Ansicht der Jury möglich und unausweichlich, die Fakten- und Beweislage intensiv zu klären und auf gesicherter Tatsachengrundlage dann zu prüfen, ob und in welcher Hinsicht das durch Snowden aufgedeckte Vorgehen in- und ausländischer geheimdienstlicher Stellen geltendes Recht verletzt hat. In Deutschland sind nach jetzigem Kenntnisstand insbesondere der Art. 10 GG als Grundrecht auf Abwehr hoheitlicher Eingriffe und staatlichen Schutz verletzt sowie das G10-Gesetz (Anspruch auf Einhaltung der dort normierten Eingriffsvoraussetzungen). Edward Snowden hat mit der Weitergabe der Informationen trotz Kenntnis der aktuellen strafrechtlichen Verfolgung von Whistleblowern im Sicherheitsbereich schwerwiegende Nachteile für sich persönlich in Kauf genommen.

Hartmut Grassl von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler: „Eine offene Gesellschaft braucht Zivilcourage und mutige Menschen wie Edward Snowden, damit Missstände aufgedeckt und unterbunden werden.“

Otto Jäckel, Vorsitzender der Deutschen Sektion von IALANA: "Wer könnte berufener sein, dem bedrängten US-Bürger Asyl vor staatlicher politischer Verfolgung durch sein Heimatland, zumindest einen sicheren Aufenthaltsort anzubieten als Deutschland, das von den NSA-Ausspähaktionen offenbar besonders betroffen ist! Aber auch die EU insgesamt ist gefordert. Edward Snowden hat mit seinem Whistleblowing Deutschland und den anderen EU-Mitgliedsstaaten einen großen Dienst erwiesen. Deshalb sollten wir darum wetteifern, ihn aufzunehmen: Aus Überzeugung, aber auch aus Dankbarkeit."

Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland: „Wir sind es Edward Snowden schuldig, dass seine mutigen Taten Konsequenzen haben. Die internationalen Verträge, welche die Souveränität Deutschlands einschränken, müssen geändert werden. Großbritannien als Mitgliedstaat der Europäischen Union muss in Brüssel sehr klar darlegen, wie es zu den Grundrechten der EU-Bürger steht. Darüber hinaus brauchen wir in Deutschland endlich ausreichenden Whistleblowerschutz durch entsprechende rechtliche Regelungen.“

[Begründung der Jury zum Download]

[Statement of the Jury, Engl.]

[Pressemitteilung 24.07.2013]

[Press Release 24th July Engl.]

[Fotos zur Pressekonferenz]

 


2011: Dr. Rainer Moormann / „Anonymus“

Dr. Rainer Moormann arbeitet seit 35 Jahren in der Kernforschungsanlage (KFA), dem heutigen Forschungszentrum in Jülich. In den vergangenen Jahren hat er mit wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen im In- und Ausland, vor allem aber mit Stellungnahmen und Interviews in den Medien unter Inkaufnahme beruflicher Nachteile maßgeblich dazu beigetragen, dass das mit Kugelhaufen-Reaktoren verbundene Risikopotenzial in einem neuen Licht erscheint. Der Mythos der „inhärenten Sicherheit“ dieses Reaktor-Typs ist erschüttert. Seine Hinweise begründen zudem den Verdacht, dass wesentliche Umstände und Folgen des 1978 erfolgten Störfalls im Reaktor Jülich bisher verschleiert worden sind.
Dr. Moormanns Whistleblowing und seine Orientierung am Gemeinwohl sind beispielhaft für verantwortliches wissenschaftliches Handeln.
 
Im April 2010 hat eine anonyme Persönlichkeit ein von den US-Behörden als Staatsgeheimnis gehütetes Dokumentations-Video über ein von US-Soldaten im Irak verübtes schweres Kriegsverbrechen via Wikileaks der Welt-Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das dienstlich aufgenommene Bord-Video zeigt die gezielte Tötung von mindestens sieben Zivilpersonen durch die Besatzung eines US-Kampfhubschraubers am 12. 7. 2007 im Irak. Unter den getöteten Zivilisten befanden sich zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters. Ein bereits schwerverletzter Journalist wird erschossen, als mehrere Personen ihn bergen wollen. Das todbringende „engagement“ der Hubschrauberbesatzung war zuvor über Funk von ihrer militärischen Einsatzleitung mehrfach genehmigt worden. Das Bord-Video „Collateral Murder“ dokumentiert zugleich die mit den Mordhandlungen einhergehenden rüden und menschenverachtenden Begleitkommentare der Täter. Außerdem beweist es, dass offizielle Sprecher der multinationalen Streitkräfte im Irak Öffentlichkeit und Presse über den Vorfall belogen haben. Schließlich ist damit klar, dass das von der US-Army eingeleitete Vor-Ermittlungsverfahren gegen die an der Tat beteiligten US-Soldaten 2007 zu Unrecht eingestellt wurde.
Militärische Kampfhandlungen dürfen sich nach geltendem Recht nur gegen die Streitkräfte des Gegners und andere militärische Ziele richten, nicht jedoch gegen die Zivilbevölkerung. Zivilpersonen, die nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sind von Soldaten – auch in Kampfgebieten - zu schützen. Jeder einzelne Soldat ist persönlich für die Einhaltung dieser Regeln des so genannten humanitären Völkerrechts verantwortlich. Wer die Regeln verletzt, begeht ein Kriegsverbrechen, das sowohl nach nationalem als auch nach internationalem Recht als schwere Straftat zu verfolgen ist.
Es kann dem "nationalen Interesse" eines demokratischen Rechtsstaates niemals abträglich sein, gravierende gesetz-, verfassungs- oder völkerrechtswidrige Vorgänge bekannt zu machen. Jede rechtsstaatliche Demokratie ist auf die Kontrolle ihrer Amtsträger durch ihre Bürgerinnen und Bürger und die Medien existenziell angewiesen.

Pressemitteilung: [Dokument]

Die Begründung der Whistleblowerpreis-Jury zu der Verleihung des Whistleblower-Preises an Dr. Rainer Moormann, Aachen und an „Anonymus“ - Kurzfassung der Begründung: [Dokument]
ausführliche Begründung: Dr. Rainer Moormann [Dokument] und „Anonymus“ [Dokument].

Programm [Dokument]

Program (English)
: [Document]

Hintergrundartikel zum Whistleblowerpreis von Bernd Hahnfeld [Dokument]

 

 


2009: Rudolf Schmenger / Frank Wehrheim

Der Whistleblower-Preis 2009 wurde an Rudolf Schmenger und Frank Wehrheim verliehen.
Die Begründung der Whistleblowerpreis-Jury zu der Verleihung des Whistleblower-Preises an Rudolf Schmenger und Frank Wehrheim: [Dokument].
Weitere Informationen zu dem Whistleblower-Fall der ehemaligen Steuerfahnder können Sie folgendem "Stern"-Artikel entnehmen: Steuerfahndung schmenger wehrheimFrankfurt: Eiskalt abserviert. Eine ausführliche Dokumentation der Hintergründe finden Sie auf: www.anstageslicht.de/steuerfahnder.

Die Whistleblower-Preisverleihung fand am Samstag, den 9. Mai 2009, 20 Uhr, in Bad Boll im Rahmen der Tagung "60 Jahre Grundrechte" in der Evangelischen Akademie Bad Boll statt: [Programm]
Weitere Informationen zu der Tagung: [Programm "60 Jahre Grundrechte"].


[Dokumentation] der Whistleblower-Preisverleihung.


[Pressemitteilung]: Frankfurter Steuerfahnder und Whistleblower mit Gefälligkeitsgutachten zwangspensioniert?

 

 


2007: PD Dr. Liv Bode / Brigitte Heinisch

Dr. Liv Bode hat mit Beharrlichkeit und ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein versucht, den Verdacht der Kontamination von Blutplasma-Spenden mit infektiösen Bestandteilen von Bornavirus im Bereich der Infektionsforschung am Robert Koch- Institut einer Klärung näher zu bringen. Allein der Ausdauer und dem wissenschaftlichen Engagement von Liv Bode ist es zu verdanken, dass das öffentliche Interesse an dieser brisanten wissenschafts- und gesundheitspolitischen Frage geweckt wurde - und wach bleibt. In diesem Sinne ist sie eine echte Whistleblowerin.

Brigitte Heinisch war viele Jahre Altenpflegerin in einer Berliner Pflegeeinrichtung mit zirka 160 Pflegeplätzen. Sie konnte sich mit den dortigen Bedingungen bei der Pflege und Betreuung alter und hilfebedürftiger Menschen nicht abfinden. Sie entschloss sich deshalb zum Whistleblowing. Deswegen wurde sie gemaßregelt. Ihr Arbeitgeber sprach drei Entlassungen aus. Bis heute klagt sie dagegen vor den Arbeitsgerichten. Ihre Zivilcourage und ihr Standvermögen sind bewundernswert.

bode








2005: Prof. Theodore A. Postol / Dr. Arpad Pusztai

Der Physiker Theodore A. Postol vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Camebridge, USA, kritisiert seit Jahren das amerikanische Raketenabwehrprogramm (GMD) und bezichtigt in diesem Zusammenhang das Lincoln Laboratory des MIT des Wissenschaftsbetrugs sowie das MIT selbst der Vertuschung. Postol äußert seine wissenschaftliche Kritik und seine Warnungen sowohl in Fachkreisen wie auch in den Medien. Er hat damit unter Kollegen und in einer breiteren Öffentlichkeit ernsthafte Zweifel an Sinn und Funktionsfähigkeit der US-amerikanischen Raketenabwehrpläne wie auch an dem zugrunde liegenden militärisch-technischen Sicherheitsverständnis geweckt. Er trägt fortlaufend zur Delegitimierung eines Waffensystems bei, dessen Einführung weitere atomare Aufrüstung in anderen Staaten zur Folge hätte. Mit seiner Kritik an der Vertuschungsstrategie der MIT-Führung hat er darüber hinaus die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Problematik militärischer Geheimforschung an Universitäten gelenkt.

Der Biochemiker Arpad Pusztai leitete in den 1990er Jahren ein dreijähriges, regierungsfinanziertes Großprojekt am Rowett Research Institute, Aberdeen. Mit 35 Jahren Berufserfahrung und 270 internationalen Veröffentlichungen war er ein führender Experte auf dem Gebiet der Lectine, als er bei Fütterungsversuchen mit gentechnisch veränderten Kartoffeln an Ratten Schäden am Immunsystem und Wachstumsstörungen verschiedener Organe feststellte. Er machte diese gänzlich unerwarteten Beobachtungen auf der Basis vorläufiger Ergebnisse öffentlich - aus Besorgnis über eine mögliche Zulassung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel. Das führte zu seiner sofortigen Entlassung. Trotz späterer Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse im angesehenen Fachjournal "The Lancet" wurde die Untersuchung bis heute nicht wiederholt.
Seit seiner Entlassung setzt sich Pusztai weltweit dafür ein, dass die Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen (GVO) mit den angemessenen wissenschaftlichen Methoden geprüft wird. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Risiko- und Sicherheitsforschung zu GVO von Teilen der Wissenschaft, der Politik und der Öffentlichkeit zunehmend kritisch hinterfragt wird.

postol pusztai





2003: Dr. Daniel Ellsberg

Daniel Ellsberg hat Anfang der 70er Jahre die "Pentagon-Papers" zur jahrzehntelangen Verstrickung der USA in den Vietnam-Krieg an die Presse gegeben. Er selber hatte als Wissenschaftler an der Zusammenstellung dieser streng vertraulichen Dokumentation im US-Verteidigungsministerium mitgearbeitet. Die Nixon-Regierung reagierte seinerzeit mit massiven Eingriffen in die Pressefreiheit und der persönlichen juristischen Verfolgung Ellsbergs um zu verhindern, dass das Ausmaß von Lüge und amtlicher Täuschung der amerikanischen Öffentlichkeit bekannt würde.
Die Veröffentlichung der "Pentagon Papers" hat damals in ganz entscheidendem Maße zur Enthüllung der schmutzigen Hintergründe des Vietnam-Krieges, zum weiteren Anwachsen des Widerstandes der nationalen und internationalen Öffentlichkeit und damit letztlich auch zum Ende des Vietnam-Krieges beigetragen.

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2001: Dr. Margrit Herbst

Die Preisträgerin 2001 war die Tierärztin Dr. Margrit Herbst. Sie hatte bereits in den frühen 90er Jahren im Rahmen ihrer Tätigkeit an einem schleswig-holsteinischen Schlachthof BSE-verdächtige Rinder bemerkt und diesen Verdacht öffentlich geäußert, nachdem sie intern kein Gehör fand. Dies führte zu ihrer Entlassung aus dem öffentlichen Dienst, da sie ihre Pflicht zur Verschwiegenheit "über die Vorgänge an ihrem Arbeitsplatz ...ohne zwingenden Grund verletzt (habe), indem sie entgegen den Weisungen des Arbeitgebers ohne hinreichende innerdienstliche Aufklärung der BSE-Verdachtsfälle an die Öffentlichkeit getreten sei".

herbst-verleihung

  • Dokumentation:
    Zivilcourage
    im BSE-Skandal
    - und die Folgen -
    (pdf-Datei)


  • Publikation: Whistleblowing
    in Zeiten von BSE











1999: Alexander Nikitin

1999 erhielt der ehemalige Kapitän der sowjetischen Marine Alexander Nikitin den Preis für seine Veröffentlichungen, in denen er unter anderem auf verwahrloste Atommüll-Plätze und den desolaten Zustand der russischen Nordmeerflotte aufmerksam machte. Er wurde verhaftet, mit Prozessen überzogen und erst endgültig freigesprochen, nachdem der Untergang der Kursk seine Warnungen auf grausame Art bestätigt hatte.

nikitin-verleihung

  • Geleitwort
    Dr. Jürgen Kühling
    (pdf-Datei)


  • Rede
    Dr. Dieter Deiseroth
    (pdf-Datei)


  • Gratulation der VDW
    Annegret Falter
    (pdf-Datei)
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